Das Ruhrgebiet ist in Sachen Luft- und Raumfahrtbranche unerheblich weniger bekannt als etwa die Big Player wie Hamburg, München oder Bremen. Umso bemerkenswerter ist eine Investition von Doncasters für das Werk in Bochum: 52 Millionen US-Dollar sollen zusätzliche Produktionskapazitäten unter anderem für die Luftfahrt-Sparte des Spezialisten für Hochleistungsbauteile aus Präzisionsguss schaffen. Die Investition ist Teil eines auf drei Jahre angelegten strategischen Programms.
Das international tätige Unternehmen ist auf komplexe metallische Komponenten für besonders anspruchsvolle Anwendungen spezialisiert. Der Bochumer Standort gehört zum europäischen Produktionsnetzwerk des Konzerns und arbeitet im Bereich Präzisionsguss für Luftfahrt- und Turbomaschinenanwendungen. Der Standort verfügt unter anderem über Freigaben von GE, Rolls-Royce, Safran und MTU.
Doncasters baut Aerospace-Fertigung in Bochum aus
Die Initiative zielt auf den Ausbau der Produktionskapazitäten, die Verbesserung der Fertigungskompetenzen und die Stärkung der Lieferketten-Resilienz für Kunden aus der Luftfahrtbranche, wie das Unternehmen bereits Ende 2025 mitteilte. Der Standort solle unter anderem auch im Bereich der vakuumgegossenen Turbinenschaufeln und Leitschaufeln sowie Superlegierungen für Flugtriebwerke weiter ausgebaut werden.
Präzisionsguss für Turbinenschaufeln und Flugtriebwerke
Komponenten wie Turbinenschaufeln oder Leitschaufeln gehören zu den anspruchsvollsten Serienteilen eines Triebwerks. Denn gerade im heißen Bereich eines Triebwerks sind Bauteile extremen Temperaturen und hohen mechanischen Belastungen ausgesetzt. Werkstoffe und Fertigungsverfahren müssen deshalb höchste Festigkeit und Maßhaltigkeit sicherstellen. Damit spielen spezialisierte Zulieferer wie Doncasters eine zentrale Rolle.
52-Millionen-Dollar-Programm schafft neue Produktionskapazitäten für die Aviation-Sparte
Doncasters neues Investitionsprogramm soll dabei helfen, diese Rolle in Zeiten wachsender Nachfrage nach neuen Flugzeugen auszubauen. Teil der Initiative ist der Bau einer neuen Produktionshalle, wie Indy Rattu, Presindet Europe bei Doncasters, mitteilte. Sie sei Teil einer umfassenderen Initiative, die „in den Jahren 2027 und 2028 noch an Fahrt gewinnen wird und Bochum fest an die Spitze der globalen Kapazitäten von Doncasters rücken wird“.
Neue DS-Öfen für gerichtet erstarrte Turbinenschaufeln
Den Beginn aber sollten ab Dezember 2025 neue Öfen markieren. Darunter ein sogenannter DS-Ofen für die gerichtete Erstarrung („Directional Solidification“). Bei diesen Ofenanlagen wird das Metall beim Gießen so kontrolliert abgekühlt, dass die Kristallstruktur gezielt in eine bestimmte Richtung wächst. Das ist besonders wichtig für hoch belastete Turbinenschaufeln, weil sich dadurch ihre mechanischen Eigenschaften bei hohen Temperaturen verbessern lassen.
Neue Produktionshalle und Kompetenzzentrum für Gießkerne
Die neue, 3.000 Quadratmeter große Produktionshalle soll zudem mit Bestandsanlagen aus dem Bochumer Hauptgebäude ausgestattet werden und neue Kapazitäten für großformatige Gießkerne aufbauen. Die Erweiterung und neue Mitarbeitenden sollen zugleich die Grundlage für ein Kompetenzzentrum für die Gießkernfertigung am Standort Bochum bilden.
Auf der Farnborough International Airshow 2026 im Juli rührte Doncasters bereits ordentlich die Werbetrommel. In Gesprächen mit Kunden, Partnern und Industriegrößen dürfte es um die eigene Kompetenz im Bereich präzisionsgefertigter Komponenten und fortschrittlicher Fertigungslösungen gegangen sein. Und ganz sicher auch um eine 52 Millionen schwere Investition in den Standort im Ruhrgebiet.
