Turkish Airlines bestellt 100 Boeing 737-8 – Wartungsvereinbarung noch offen

Turkish Airlines bestellt 100 Boeing 737-8 – Wartungsvereinbarung noch offen

Turkish Airlines hat 100 Boeing 737-8 fest bestellt und Optionen auf weitere 50 Flugzeuge der 737-MAX-Familie vereinbart. Die Vereinbarung enthält zudem Substitutionsrechte für die größere 737-10. Bemerkenswert ist die Vorgeschichte der Order: Verhandlungen über die Wartung der CFM-Triebwerke hatten den Abschluss verzögert und waren bei Bekanntgabe der Flugzeugbestellung offenbar noch nicht abgeschlossen.

Bis zu 150 737 MAX

Turkish Airlines und Boeing verhandelten seit 2025 über die Bestellung. Mit 100 fest bestellten 737-8 handelt es sich nach Angaben der Unternehmen um die bislang größte Narrowbody-Order der türkischen Fluggesellschaft bei Boeing.

Turkish Airlines bestellt 100 Boeing 737-8 – Wartungsvereinbarung noch offen

Die zusätzlichen 50 Optionen sind noch keine Festbestellungen. Sie geben Turkish Airlines die Möglichkeit, die Flotte später weiter auszubauen. Hinzu kommen Substitutionsrechte für die 737-10: Die Airline kann damit Flugzeuge innerhalb der Vereinbarung auf die größere Variante der MAX-Familie umstellen und den Kapazitätsmix entsprechend anpassen.

Einen konkreten Lieferzeitplan oder Auftragswert nennen Boeing und Turkish Airlines in ihren Mitteilungen nicht.

LEAP-1B ist das einzige Triebwerk für die 737 MAX

Eine besondere Rolle bei den Verhandlungen spielte die Triebwerkswartung. Die Boeing 737 MAX wird ausschließlich mit dem LEAP-1B von CFM International angeboten. Anders als bei Flugzeugfamilien mit mehreren verfügbaren Triebwerksoptionen ist die Wahl der 737 MAX damit automatisch mit der Wahl dieses Antriebs verbunden.

Das ist für die wirtschaftliche Betrachtung einer großen Flottenorder relevant. Neben der Beschaffung entstehen über die Einsatzdauer erhebliche Aufwendungen für Wartung und Instandsetzung der Triebwerke. Die dafür vereinbarten Konditionen beeinflussen die langfristigen Betriebskosten der Flotte.

Turkish Airlines kennt das LEAP-1B bereits aus dem eigenen Flugbetrieb. Die Airline betreibt sowohl Boeing 737 MAX 8 als auch 737 MAX 9. Zur Narrowbody-Flotte gehören außerdem unter anderem Flugzeuge der Airbus-A320-Familie einschließlich des A321neo.

Turkish Airlines und CFM haben bereits einen langfristigen Wartungsvertrag

Die Verhandlungen über ein Maintenance Agreement für die neue Bestellung finden vor dem Hintergrund einer bereits bestehenden Zusammenarbeit mit CFM statt. Turkish Airlines schloss 2021 einen 15-jährigen Rate-per-Flight-Hour-Vertrag für seine LEAP-1B-Triebwerke ab. Er umfasst 150 Triebwerke für 75 Boeing 737 MAX.

Bei diesem Vertragsmodell werden die Wartungskosten auf Basis der tatsächlich geflogenen Triebwerksstunden kalkuliert. CFM garantiert nach eigenen Angaben über die Vertragslaufzeit Wartungskosten auf Dollar-pro-Triebwerksflugstunde-Basis. Für die Airline schafft das eine langfristig kalkulierbare Kostenstruktur für die Instandhaltung der Triebwerke.

Die aktuellen Verhandlungen betreffen die neue MAX-Bestellung. Welche Konditionen Turkish Airlines dabei von CFM fordert und worin die konkreten Differenzen bestehen, ist öffentlich nicht im Detail bekannt.

Maintenance Agreement bei Bekanntgabe noch offen

Nach Angaben von Aviation Week hatten die Differenzen über das von Turkish Airlines gewünschte Maintenance Agreement mit CFM den Abschluss der Boeing-Bestellung verzögert. Das Magazin verwies dabei auch auf einen Reuters-Bericht vom 15. September, wonach Turkish Airlines wegen des Streits erwogen habe, die geplante Bestellung nicht abzuschließen.

Mit der Unterzeichnung der Flugzeugorder war die Vereinbarung über die Triebwerkswartung offenbar noch nicht abgeschlossen. Ein Sprecher von Turkish Airlines erklärte Aviation Week am 23. September, es gebe zu diesem Zeitpunkt noch keine Bekanntgabe zur Triebwerksfrage. Die Airline werde informieren, sobald entsprechende Informationen verfügbar seien.

Damit liefen Flugzeugbeschaffung und die Verhandlungen über den langfristigen Triebwerkssupport zumindest zum Zeitpunkt der Boeing-Ankündigung auf getrennten Ebenen: Die Bestellung der Flugzeuge war abgeschlossen, während für einen wesentlichen Bestandteil der späteren Lifecycle-Kosten noch keine neue Vereinbarung kommuniziert worden war.

737-10 schafft zusätzliche Flexibilität

Mit den Substitutionsrechten für die 737-10 hält sich Turkish Airlines Flexibilität bei der Wahl der MAX-Variante offen. Die 737-10 ist das größte Mitglied der Baureihe. Turkish Airlines kann damit innerhalb der vereinbarten Bestellung auf unterschiedliche Kapazitätsanforderungen reagieren, ohne dafür die Flugzeugfamilie zu wechseln.

Die neue Order trifft dabei auf eine bereits gemischte Narrowbody-Flotte. Turkish Airlines betreibt neben Boeing 737 MAX 8 und MAX 9 auch ältere 737-Varianten sowie Flugzeuge der Airbus-A320-Familie einschließlich des A321neo.

Wie viele der 100 fest bestellten Flugzeuge letztlich als 737-8 beziehungsweise 737-10 zur Flotte stoßen und ob Turkish Airlines die Optionen auf weitere 50 MAX ausübt, ist derzeit offen.

Quellen: Boeing, Turkish Airlines, Aviation Week, CFM International
Bilder: Boeing

Über Moritz Nolte 15 Artikel
Moritz Nolte ist Wirtschaftsingenieur, Journalist und Kommunikationsexperte und beschäftigt sich seit rund 20 Jahren mit Technik, Industrie und Mobilität. Seine Arbeit verbindet technisches Verständnis mit journalistischer Aufbereitung komplexer Themen. Im Verlauf seiner beruflichen Arbeit hat er sich intensiv mit Technologien aus der Automobilindustrie, dem Maschinenbau und zunehmend auch der Luftfahrt beschäftigt. Dabei liegt sein Schwerpunkt auf der verständlichen Einordnung technischer Entwicklungen, neuer Produkte, Fertigungsverfahren und industrieller Zusammenhänge.