Offenbar konkrete Gespräche: Airbus prüft Einstieg in GCAP-Kampfjetprogramm nach FCAS-Aus

FCAS-Infografik
FCAS-Infografik. Bild: FCAS via Airbus

Nach dem Scheitern der gemeinsamen Kampfjetentwicklung im deutsch-französisch-spanischen FCAS-Programm sucht Airbus nach neuen Kooperationsmöglichkeiten. Einem Bericht der Financial Times zufolge wollen Vertreter von Airbus in der kommenden Woche mit BAE Systems über eine mögliche Zusammenarbeit beim Global Combat Air Programme (GCAP) sprechen. Im Rahmen des von Großbritannien, Italien und Japan getragenen Programms soll bis 2035 ein Kampfflugzeug der sechsten Generation entwickelt werden.

Airbus und BAE Systems planen Gespräche über GCAP

Nach einem Bericht der Financial Times vom 25. Oktober 2026 wollen Führungskräfte von Airbus und BAE Systems Möglichkeiten einer Zusammenarbeit bei zukünftigen militärischen Luftfahrtsystemen ausloten. Im Mittelpunkt steht eine mögliche Beteiligung am Global Combat Air Programme (GCAP), das Großbritannien, Italien und Japan gemeinsam vorantreiben.

Die mögliche Annäherung an GCAP kommt nicht überraschend. Bereits im September hatten Berichte über erste Gespräche zwischen Deutschland und Großbritannien die Runde gemacht. Anfang Oktober signalisierte die britische Regierung offiziell Offenheit für eine deutsche Beteiligung. Die Bundesregierung bestätigte anschließend, dass sie diese Möglichkeit prüft. Mit den nun geplanten Gesprächen zwischen Airbus und BAE Systems könnte die Sondierung auf die industrielle Ebene übergehen.

GCAP: Kampfflugzeug der sechsten Generation ab 2035

Ziel ist ein Kampfflugzeug der sechsten Generation, das ab 2035 in Dienst gestellt werden soll. Das Konzept sieht unter anderem Tarnkappeneigenschaften, fortschrittliche Sensorik, digitale Vernetzung und den Einsatz künstlicher Intelligenz vor. Auch die Zusammenarbeit mit autonomen unbemannten Luftfahrzeugen gehört zu den technologischen Schwerpunkten.

FCAS: Warum das europäische Kampfjetprojekt scheiterte

Die geplanten Gespräche folgen auf das Scheitern der gemeinsamen Kampfjetentwicklung im Future Combat Air System (FCAS). Deutschland, Frankreich und Spanien wollten im Rahmen des Programms ein neues bemanntes Kampfflugzeug entwickeln, das mit unbemannten Begleitflugzeugen zusammenwirken und über eine digitale Architektur vernetzt werden sollte.

Zentrale Industriepartner waren Airbus, Dassault Aviation und Indra. Zwischen Airbus und Dassault gab es anhaltende Meinungsverschiedenheiten über die industrielle Führung, die Entwicklungsverantwortung und die Arbeitsteilung beim bemannten Kampfflugzeug.

Im Juni 2026 wurde die gemeinsame Entwicklung des Flugzeugs schließlich eingestellt. Andere Elemente des FCAS-Konzepts, insbesondere die sogenannte Combat Cloud zur Vernetzung bemannter und unbemannter Systeme, sollen grundsätzlich weiterverfolgt werden.

Frankreich arbeitet inzwischen an einem nationalen Kampfflugzeugprogramm als langfristigem Nachfolger der Rafale. Deutschland sondiert dagegen mögliche internationale Kooperationen. Neben einem Einstieg in GCAP steht auch eine Zusammenarbeit mit Schweden und dem Luftfahrt- und Rüstungskonzern Saab im Raum.

Ein GCAP-Einstieg wäre industriell anspruchsvoll

Airbus hat deutlich gemacht, dass eine mögliche Zusammenarbeit substanzielle Entwicklungsaufgaben umfassen müsste. Nach Informationen der Financial Times sollen die geplanten Gespräche deshalb über das bemannte Kampfflugzeug hinausgehen. Auch eine Zusammenarbeit bei autonomen Begleitflugzeugen und der sogenannten Combat Cloud kommt infrage. Diese digitale Architektur soll Kampfflugzeuge, Drohnen, Sensoren und weitere militärische Systeme miteinander vernetzen.