A330 von Discover Airlines erstes Airbus-Flugzeug mit „Haifischhaut“ AeroSHARK

AeroSHARK

Für die Flugerprobung im Rahmen der EASA-Zertifizierung wird ein A330 von Discover Airlines als erstes Airbus-Flugzeug weltweit mit dem widerstandsreduzierenden Oberflächenfilm „AeroSHARK“ ausgestattet.

Jede Modifikation an einem Flugzeug muss vor dem Serieneinsatz luftfahrtrechtlich abgesichert werden. Für AeroSHARK auf dem Airbus A330-200 und -300 strebt Lufthansa Technik deshalb eine ergänzende Musterzulassung, ein sogenanntes Supplemental Type Certificate (STC), durch die EASA an. Dafür muss das Unternehmen nachweisen, dass die Modifikation die geltenden Anforderungen erfüllt. Zum Zulassungsprogramm gehören technische Nachweise, Boden- und Flugtests sowie abschließende Erprobungen unter realen Betriebsbedingungen.

AeroSHARK: Ergänzende Musterzulassung für Airbus A330-200 und -300

Jetzt hat Lufthansa Technik die finale Phase für die ergänzende Musterzulassung ihres von der Haut von Haien abgeleiteten Oberflächenfilms für den Airbus A330-200 und -300 gestartet. Vor und nach der Modifikation bei den Elbe Flugzeugwerken am Standort Dresden absolviert der Langstreckenjet von Discover Airlines über mehrere Wochen Testflüge.

Aktuell ist AeroSHARK für die Boeing 777F, die B777-300ER und die B777-200ER zertifiziert. Mit dem Airbus A330 steht nach der bereits zertifizierten Anwendung auf der Boeing 777 das weltweit am zweithäufigsten ausgelieferte Flugzeugmuster für Langstrecken im Fokus des Zertifizierungsprozesses.

Grazia Vittadini, Chief Technology Officer der Lufthansa Group, sagt: „AeroSHARK ist ein hervorragendes Beispiel dafür, wie Innovationen aus der Lufthansa Group konkrete Beiträge zu mehr Effizienz und weniger Emissionen leisten können. Mit der geplanten Zulassung für den Airbus A330ceo erschließen wir das Potenzial eines weiteren bedeutenden Teils der weltweiten Langstreckenflotten.“

Was ist AeroSHARK?

AeroSHARK ist ein gemeinsam von Lufthansa Technik und Surventis (ehemals BASF Coatings) nach dem Vorbild der Haut von Haien entwickelter Oberflächenfilm. Er optimiert die Luftströmung am Flugzeugrumpf sowie an den Triebwerksgondeln. Dies ermöglicht eine Treibstoffersparnis und entsprechend eine Reduktion der CO2-Emissionen.

Wie funktioniert AeroSHARK?

Die Haut von Haien weist feine in Strömungsrichtung ausgerichtete Rillen auf, sogenannte Riblets. Sie reduzieren den Reibungswiderstand und verbessern die Strömungseigenschaften im Wasser. Diesen Effekt überträgt AeroSHARK auf die Luftfahrt: Der Oberflächenfilm verfügt über Riblets von nur etwa 50 Mikrometern Höhe, die präzise entlang des Luftstroms ausgerichtet sind. Er wird an Rumpf und Triebwerksverkleidung eines Flugzeugs aufgebracht und verringert den Luftwiderstand während des Flugs. Die Technologie soll den Treibstoffverbrauch und CO₂-Emissionen bei jedem Flug aktuell um rund 1 Prozent reduzieren. Bis August 2026 hat die Lufthansa Group nach eigenen Angaben bereits 22 Flugzeuge mit AeroSHARK ausgestattet. Täglich soll die AeroSHARK-Flotte der Lufthansa Group rund 19 Tonnen Kerosin und etwa 60 Tonnen CO₂ einsparen.

Bilder: Lufthansa Technik

Über Moritz Nolte 15 Artikel
Moritz Nolte ist Wirtschaftsingenieur, Journalist und Kommunikationsexperte und beschäftigt sich seit rund 20 Jahren mit Technik, Industrie und Mobilität. Seine Arbeit verbindet technisches Verständnis mit journalistischer Aufbereitung komplexer Themen. Im Verlauf seiner beruflichen Arbeit hat er sich intensiv mit Technologien aus der Automobilindustrie, dem Maschinenbau und zunehmend auch der Luftfahrt beschäftigt. Dabei liegt sein Schwerpunkt auf der verständlichen Einordnung technischer Entwicklungen, neuer Produkte, Fertigungsverfahren und industrieller Zusammenhänge.