Jungheinrich hat das neue automatisierte Logistikzentrum von Deutsche Aircraft am Flughafen Leipzig/Halle übergeben. Erstmals arbeiten dort das Behälter-Kompaktlagersystem PowerCube und ein automatisiertes Schmalganglager unter einer gemeinsamen Steuerung. Die Anlage versorgt künftig die Produktion der D328eco.
Deutsche Aircraft hat am Standort Leipzig/Halle eine weitgehend automatisierte Intralogistik für die künftige D328eco-Produktion in Betrieb genommen. Jungheinrich übergab das Logistikzentrum Anfang Oktober offiziell an den Flugzeughersteller. Es gehört zur neuen Factory 4.0 und übernimmt die Materialversorgung der Endmontage.
Technisch kombiniert Jungheinrich dort erstmals zwei seiner automatisierten Lagersysteme in einer gemeinsamen Anwendung. Der PowerCube übernimmt vor allem kleinere Bauteile in Behältern, während ein automatisiertes Schmalganglager – bei Jungheinrich als AutoVNA bezeichnet – Paletten mit größeren Komponenten aufnimmt. Sämtliche Transportbewegungen koordiniert ein gemeinsames Warehouse Control System.
Mehr als 6.500 Behälter auf 210 Quadratmetern
Der PowerCube nutzt die verfügbare Gebäudehöhe besonders konsequent. Auf einer Grundfläche von rund 210 Quadratmetern befinden sich mehr als 6.500 Behälterstellplätze auf 26 Ebenen. 16 Shuttles bewegen die Behälter zwischen den Lagerpositionen und fünf Arbeitsplätzen.
Die Lagerstrategie passt sich dem tatsächlichen Teilebedarf an. Häufig benötigte Komponenten lagert das System automatisch auf den unteren Ebenen ein, wo die Shuttles sie schneller erreichen können. Teile mit geringerer Zugriffshäufigkeit wandern dagegen schrittweise nach oben.
Für vorbereitete Materialzusammenstellungen stehen separate Bereitstellungsschächte zur Verfügung. Dort können für die Montage benötigte Komponenten vorkonfiguriert bereitgestellt werden. Der eigentliche Lagerbereich arbeitet zudem mit reduziertem Sauerstoffgehalt. Diese Sauerstoffreduktion dient dem vorbeugenden Brandschutz.
Autonome Schmalgangstapler bewegen 624 Paletten
Größere Komponenten lagert Deutsche Aircraft in einem automatisierten Schmalganglager mit 624 Stellplätzen für Europaletten. Zwei autonome Schmalgangstapler vom Typ Jungheinrich EKX 516ka übernehmen das Ein- und Auslagern in zwei Gassen.
Eine Fördertechnik verbindet Wareneingang, sechs Kommissionierplätze und Versandbereich. Jede Palette wird während des Transports per Barcode erfasst. Gleichzeitig prüft die Anlage automatisch Abmessungen und Gewicht. Abweichungen lassen sich so erkennen, bevor die Palette in den weiteren Materialfluss gelangt.
Für lange Bauteile, die sich nicht sinnvoll auf Europaletten lagern lassen, hat Jungheinrich zusätzlich 135 Kragarmstellplätze eingerichtet. Diese werden mit elektrischen Gegengewichtsstaplern bedient.
Eine Steuerung für zwei unterschiedliche Materialflüsse
Die Besonderheit der Anlage liegt weniger in den einzelnen Lagertechnologien als in ihrer gemeinsamen Steuerung. Das Jungheinrich Warehouse Control System koordiniert sowohl die Bewegungen innerhalb des PowerCube als auch die Transporte im Schmalganglager.
Deutsche Aircraft ist nach Angaben von Jungheinrich der erste Kunde, bei dem PowerCube und AutoVNA in dieser Form miteinander verbunden wurden. Die Kombination trennt die Lagerung kleiner Teile und größerer Komponenten physisch, bindet beide Materialflüsse jedoch in dieselbe Steuerungsarchitektur ein.
Logistik für bis zu 48 D328eco pro Jahr
Das Logistikzentrum gehört zur neuen Factory 4.0 von Deutsche Aircraft am Flughafen Leipzig/Halle. Dort hat der Hersteller eine digital vernetzte und papierlose Endmontagelinie für die D328eco aufgebaut. Nach Unternehmensangaben soll der Standort zudem CO₂-neutral betrieben werden.
Die Intralogistik ist auf den geplanten Produktionshochlauf ausgelegt. Deutsche Aircraft strebt in Leipzig/Halle eine Kapazität von bis zu 48 Flugzeugen pro Jahr an. Die Produktion ist zunächst für zwei Schichten konzipiert und kann auf einen Drei-Schicht-Betrieb erweitert werden.
Bei voller Auslastung sollen am Standort zwischen 250 und 350 Beschäftigte arbeiten. Leipzig/Halle wird damit zum industriellen Zentrum des D328eco-Programms.
Bild: Deutsche Aircraft
