Ursache für Fanblattversagen weiter ungeklärt: EASA planen zusätzliche Inspektionen an CFM56-Triebwerken – allein in den USA 3.450 Triebwerke betroffen

Boeing

Mehr als drei Monate nach einem schweren Triebwerksvorfall an einer Boeing 737-800 ist die genaue Ursache für das Versagen eines Fanblatts weiterhin ungeklärt. Das geht aus einem aktuellen Regelungsvorschlag der US-Luftfahrtbehörde FAA hervor. Sowohl die FAA als auch die europäische Luftfahrtbehörde EASA bereiten zusätzliche Inspektionen an CFM56-7B-Triebwerken vor. Allein in den USA könnten rund 3.450 Triebwerke betroffen sein.

Am 10. Juli 2026 löste sich im Flug ein Fanblatt aus einem CFM56-7B-Triebwerk einer Boeing 737-800. Das betroffene Triebwerk musste abgeschaltet werden. Trümmerteile durchschlugen den Rumpf und führten zu einem Druckverlust in der Kabine, woraufhin die Besatzung einen Notabstieg einleitete.

Mehr als drei Monate später dauert die Ursachenanalyse an. Das geht aus dem am 27. Oktober veröffentlichten Vorschlag der FAA für eine neue Lufttüchtigkeitsanweisung hervor.

Erste Untersuchungsergebnisse deuten auf Schwingungen hin

Vorläufige Untersuchungsergebnisse legen nach Angaben der FAA nahe, dass Verformungen der Fanblätter eine lokale Schwingungsreaktion des später gebrochenen Blattes ausgelöst haben. Die Ursache des Fanblattversagens bleibt Gegenstand der Untersuchung.

Die Befunde liefern damit Hinweise auf einen möglichen Versagensmechanismus. Wie die Verformungen entstanden und welche Faktoren schließlich zum Bruch führten, lässt sich anhand des veröffentlichten Untersuchungsstands noch nicht abschließend erklären.

Technisch ist dabei zu unterscheiden: Eine schwingungsbedingte Beanspruchung zu erkennen, erklärt noch nicht zwangsläufig deren Ursache.

CFM International, ein Gemeinschaftsunternehmen von GE Aerospace und Safran Aircraft Engines, setzt die Untersuchung des Vorfalls deshalb fort.

FAA plant Inspektionen an 3.450 Triebwerken

Während die Ursachenuntersuchung läuft, bereitet die FAA zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen vor. Der Vorschlag umfasst sämtliche Varianten des CFM56-7B, das in der Boeing 737 Next Generation zum Einsatz kommt. Nach Schätzungen der Behörde wären allein in den USA rund 3.450 Triebwerke betroffen.

Bei den geplanten Sichtprüfungen sollen die Fanblätter insbesondere auf Risse, Einrisse, Verformungen der Blattspitzen und lokale Beschädigungen an den Vorderkanten untersucht werden.

Bereits eingebaute Triebwerke sollen innerhalb von 400 Flugzyklen oder 90 Tagen nach Inkrafttreten der Lufttüchtigkeitsanweisung inspiziert werden. Maßgeblich ist die zuerst erreichte Grenze. Fanblätter, die nicht mehr lufttüchtig sind, müssen vor dem nächsten Flug ausgetauscht werden. Zusätzlich ist eine Prüfung benachbarter Fanblätter vorgesehen.

Die geplanten Maßnahmen stützen sich auf das CFM-Service-Bulletin 72-1119 vom 8. September 2026.

Auch die europäische Luftfahrtbehörde EASA bereitet Inspektionen an CFM56-7B-Triebwerken vor. Dazu veröffentlichte sie bereits am 26. Oktober 2026 den Regelungsvorschlag PAD 26-130.

Um die Einführung der Sicherheitsmaßnahmen mit der EASA abzustimmen, hat die FAA ihre übliche Kommentierungsfrist von 45 auf 30 Tage verkürzt. Beide Regelungsvorschläge sind bislang unverbindlich. Stellungnahmen zum FAA-Vorschlag können bis zum 27. November 2026 eingereicht werden.

Inspektionsergebnisse sollen bei der Ursachenanalyse helfen

Die FAA stuft die geplanten Inspektionen ausdrücklich als vorläufige Maßnahme ein. Neben der Suche nach möglicherweise beschädigten Fanblättern sollen sie weitere Erkenntnisse für die Ursachenanalyse liefern.

Wenn die Kontrollen entsprechende Schäden ergeben, müssen die Ergebnisse an CFM übermittelt werden. Anhand dieser zusätzlichen Daten soll der Hersteller Art, Ursache und Ausmaß des Fanblattversagens besser verstehen können.

Erst auf dieser Grundlage könnten endgültige Abhilfemaßnahmen entwickelt werden. Weitere regulatorische Schritte schließt die FAA daher ausdrücklich nicht aus.

Zusätzliche Inspektionen schon vor Abschluss einer Ursachenuntersuchung vorzuschreiben, ist für eine Luftfahrtbehörde grundsätzlich nicht ungewöhnlich. Sobald ein potenzielles Risiko für weitere Flugzeuge oder Triebwerke erkannt wird, können Sicherheitsmaßnahmen erforderlich sein.

Wie bedeutsam der Vorfall für die Betreiber der Boeing 737 NG ist, zeigt der Umfang der geplanten Kontrollen. Die rund 3.450 Triebwerke entfallen ausschließlich auf Flugzeuge, die in den USA registriert sind. Weltweit könnten deutlich mehr Triebwerke von entsprechenden Inspektionsvorgaben erfasst werden.

In ihrem Regelungsvorschlag verweist die FAA auch auf das Fanblattversagen an einer Boeing 737 von Southwest Airlines im April 2018. Nach den bislang verfügbaren Erkenntnissen sieht die Behörde einen Zusammenhang mit dem aktuellen Sicherheitsproblem allerdings nicht als belegt an.