Nach schwerem Ryanair-Zwischenfall: EASA plant zusätzliche On-Wing-Inspektionen an CFM56-Triebwerken

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Der rechte Triebwerkseinlauf der Boeing 737-800 nach dem Fan-Schaufelbruch vom 10. Juli 2026. Deutlich erkennbar sind die Durchschläge in der äußeren Verkleidung. Quelle: NTSB, Untersuchungsbericht DCA26FA274

Es waren dramatische Minuten an Bord von Ryanair-Flug FR1879, durchgeführt von der Ryanair-Tochter Malta Air: Während des Steigflugs von Thessaloniki nach Memmingen brach eine Fan-Schaufel des rechten Triebwerks der Boeing 737-800. Trümmerteile beschädigten den Flugzeugrumpf und zerstörten ein Kabinenfenster. Durch den plötzlichen Druckverlust geriet ein Passagier teilweise in die Fensteröffnung und musste von Mitreisenden zurück in die Kabine gezogen werden. Der Mann wurde schwer verletzt. Der Zwischenfall vom 10. Juli 2026 hat nun regulatorische Konsequenzen: Die europäische Luftfahrtbehörde EASA bereitet verpflichtende zusätzliche Inspektionen an CFM56-7B-Triebwerken vor. Ein entsprechender Entwurf wurde am 26. Oktober veröffentlicht.

EASA plant zusätzliche Sichtprüfungen an CFM56-7B-Triebwerken

Mit der am 26. Oktober 2026 veröffentlichten Proposed Airworthiness Directive (PAD) 26-130 reagiert die Europäische Agentur für Flugsicherheit auf ein mögliches Sicherheitsrisiko bei Triebwerken der Baureihe CFM56-7B. Die von CFM International entwickelten Triebwerke kommen in der Boeing-737-NG-Familie zum Einsatz.

Der Entwurf sieht eine einmalige Sichtprüfung aller Fan-Schaufeln bei eingebauten Triebwerken vor. Diese On-Wing-Inspection soll innerhalb von 400 Flugzyklen oder 90 Tagen nach Inkrafttreten der endgültigen Lufttüchtigkeitsanweisung erfolgen, je nachdem, welcher Zeitpunkt zuerst erreicht wird.

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Triebwerkstrümmer zerstörten ein Kabinenfenster in Reihe 11 und beschädigten weitere Bereiche des Rumpfs der Ryanair-Boeing 737-800. Quelle: NTSB, Untersuchungsbericht DCA26FA274

Grundlage ist das CFM-Servicebulletin 72-1119 vom 8. September 2026. Werden bei der Kontrolle Auffälligkeiten festgestellt, müssen dem Entwurf zufolge die dort vorgesehenen Korrekturmaßnahmen durchgeführt und die Ergebnisse an den Triebwerkshersteller gemeldet werden. Bestimmte bereits durchgeführte Prüfungen können als gleichwertige Erfüllung der Anforderungen anerkannt werden.

Der Entwurf befindet sich derzeit in der Konsultationsphase. Die Kommentierungsfrist endet am 23. November 2026. Eine verbindliche Lufttüchtigkeitsanweisung liegt somit noch nicht vor.

Fan-Schaufelbruch beschädigte Rumpf und Kabinenfenster einer Boeing 737

Hintergrund der geplanten Maßnahme ist ein schwerer Zwischenfall vom 10. Juli 2026. Eine Boeing 737-800 der Ryanair-Tochter Malta Air war als Flug FR1879 von Thessaloniki nach Memmingen unterwegs. Während des Steigflugs traten in etwa 16.000 Fuß Höhe starke Vibrationen am rechten CFM56-7B26-Triebwerk auf. Wenig später hörte die Besatzung einen lauten Knall.

Nach dem vorläufigen Untersuchungsbericht der US-Unfalluntersuchungsbehörde NTSB brach eine Fan-Schaufel am Schaufelfuß. Die Schaufel wurde zunächst vom Triebwerksgehäuse zurückgehalten. Anschließend traten jedoch Trümmerteile nach vorne aus und beschädigten unter anderem die Flugzeugstruktur sowie ein Kabinenfenster in Reihe 11.

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Der beschädigte Fan des rechten CFM56-7B26-Triebwerks. Eine Fan-Schaufel brach am Schaufelfuß, weitere Schaufeln wurden durch den Zwischenfall beschädigt. Quelle: NTSB, Untersuchungsbericht DCA26FA274

Durch die Beschädigung kam es zu einem plötzlichen Druckverlust. Ein Passagier geriet teilweise in die zerstörte Fensteröffnung. Andere Reisende zogen den schwer verletzten Mann zurück in die Kabine. Die Besatzung leitete einen Notabstieg ein, schaltete das beschädigte Triebwerk ab und kehrte nach Thessaloniki zurück. Das Flugzeug landete sicher.

Hinweise auf Materialermüdung trotz vorangegangener Ultraschallprüfungen

Bei der Untersuchung der gebrochenen Fan-Schaufel stellten die NTSB-Ermittler am Schaufelfuß Merkmale eines Ermüdungsbruchs fest. Die mikroskopische Untersuchung ergab Hinweise auf High Amplitude Fatigue, also Materialermüdung infolge wiederholter Belastungen mit vergleichsweise hohen Spannungsamplituden.

Die Fan-Schaufeln waren zuletzt am 24. Mai 2026 einer Ultraschallprüfung unterzogen worden, 253 Flugzyklen vor dem Zwischenfall. Dabei wurden keine Auffälligkeiten festgestellt.

Die endgültige Unfallursache ist weiterhin Gegenstand der Untersuchung. Mit den jetzt vorgeschlagenen On-Wing-Inspektionen will die EASA zusätzliche Kontrollen an der weitverbreiteten CFM56-7B-Triebwerksfamilie veranlassen.