Rolls-Royce Trent XWB-97 treibt A350F beim Erstflug an

Airbus A350F

Ende September der Airbus A350F seinen Erstflug absolviert. Angetrieben wurde der neue Großraumfrachter von zwei Rolls-Royce Trent XWB-97. Für den Triebwerkshersteller öffnet sich damit ein neues Einsatzfeld: Der bisher im A350-1000 eingesetzte Antrieb kommt erstmals in einem reinen Frachtflugzeug zum Einsatz.

Das erste Flugtestflugzeug mit der Seriennummer MSN 700 startete in Toulouse und war vier Stunden und zehn Minuten in der Luft. Die Besatzung erreichte eine Flughöhe von 25.000 ft und prüfte unter anderem die grundlegende Flugtauglichkeit, die Flugeigenschaften und zentrale Flugzeugsysteme. Der Flug markiert den Beginn der Zulassungserprobung des A350F.

Trent XWB-97 kommt aus dem A350-1000

Airbus bietet den A350F mit dem Trent XWB-97 als Triebwerk an. Die stärkste Variante der Trent-XWB-Familie liefert einen maximalen Schub von rund 97.000 lbf, entsprechend etwa 431 kN. Neu entwickelt werden musste der Antrieb für den Frachter nicht: Seit 2018 steht er mit dem A350-1000 im kommerziellen Passagierbetrieb.

Nach Angaben von Rolls-Royce hat der Trent XWB-97 inzwischen mehr als 4,5 Millionen Triebwerksflugstunden in acht Jahren Betrieb gesammelt. Diese Betriebserfahrung unterscheidet den Antrieb von vielen Komponenten eines neuen Flugzeugprogramms, die ihre Zuverlässigkeit zunächst im Liniendienst nachweisen müssen.

Rolls-Royce arbeitet zugleich weiter an der Haltbarkeit des Triebwerks. Zwei von drei geplanten Verbesserungspaketen sind nach Unternehmensangaben bereits umgesetzt. Eine dritte Ausbaustufe soll 2028 in Dienst gehen und insbesondere die Einsatzdauer zwischen Werkstattaufenthalten erhöhen.

A350F startet in die Flugerprobung

Der A350F basiert technisch auf der A350-Familie, besitzt für den Frachteinsatz jedoch eine eigene Rumpfkonfiguration und ein großes Frachttor auf dem Hauptdeck. Airbus gibt eine maximale Nutzlast von bis zu 111 Tonnen und eine Reichweite von bis zu 8.700 Kilometern an.

Trotz der Verwandtschaft zum A350-1000 durchläuft der Frachter eine umfangreiche Flugerprobung. Zwei Testflugzeuge sollen dafür eingesetzt werden. Airbus plant eine Testkampagne von mehr als neun Monaten; im weiteren Verlauf wird die Europäische Agentur für Flugsicherheit EASA zunehmend direkt in die formale Zulassungserprobung eingebunden. Die Musterzulassung steht damit noch aus.

Der zweite Prototyp, MSN 701, befand sich zum Zeitpunkt des Erstflugs bereits in einem fortgeschrittenen Stadium der Endmontage.

115 Bestellungen für den A350F

Airbus meldete Ende August 2026 insgesamt 115 Bestellungen für den A350F von 14 veröffentlichten Kunden. Rolls-Royce spricht in seiner Mitteilung entsprechend von mehr als 100 bestellten Flugzeugen.

Der neue Frachter trifft auf einen Markt, in dem zahlreiche ältere Großraumfrachtflugzeuge in den kommenden Jahren ersetzt werden müssen. Dazu gehören unter anderem Boeing 747-400F, die seit den 1990er-Jahren im Einsatz stehen. Im Segment neu entwickelter großer Frachter konkurriert der A350F vor allem mit der Boeing 777-8 Freighter.

Für Rolls-Royce ist der A350F zugleich der Einstieg des Trent XWB-97 in den Markt für große Frachtflugzeuge. Der Hersteller ist dort bereits über den Trent 700 vertreten: Nach eigenen Angaben treiben Rolls-Royce-Triebwerke einen Großteil der zu Frachtern umgebauten A330ceo an. Für die kommenden 20 Jahre erwartet das Unternehmen einen weltweiten Bedarf von rund 1.600 Großraumfrachtern.

Bild: Rolls-Royce